Aktuelles

Adventskalender

4. Advent - 20.12.2020

Johannes Linke

Geschichte für den 4. Advent

An den vergangenen Adventssonntagen wurde unser Blick auf die Weihnachtsgeschichte und unsere Pfarrei gelenkt, auf das, was St. Peter, St. Marien und St. Ludgerus prägt.
Die Bilder bringen uns die Kirchenräume und die Menschen nahe, die dort leben und arbeiten. Kirchen, Pfarrheim und Kitas sind wichtig. Die Frage bleibt, wie all das mit Leben gefüllt wird. Davon erzählt die folgende Geschichte: 

Die sieben Weltwunder

Schülerinnen und Schüler eines Abiturjahrgangs wurden gebeten zu notieren, welches für sie die sieben Weltwunder wären. Folgende Rangliste kam zustande:

  1. Pyramiden von Gizeh
  2. Taj Mahal
  3. Grand Canyon
  4. Panamakanal
  5. Empire State Building
  6. Petersdom in Rom
  7. Große Mauer China

Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war. Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte.
Sie antwortete: "Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder." Die Lehrerin sagte: "Nun, teilen Sie uns das mit, was sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen."  Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor. "Für mich sind das die Sieben Weltwunder:

  1. Sehen
  2. Hören
  3. sich Berühren
  4. Riechen
  5. Fühlen
  6. Lachen ...
  7. … und Lieben" 

Im Klassenraum wurde es ganz still. Diese alltäglichen Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind die wahren Weltwunder.
Und nur dort, wo Menschen sich aufeinander einlassen, einander respektieren, sich gegenseitig helfen - kurz gesagt, wo Liebe gelebt wird - dort ist Gemeinde und dort geschieht wirklich das Wunder der Weihnacht.

 

Meditation
Draußen und drinnen

Menschen feiern miteinander Gottesdienst.
Sie singen fromme Lieder.
Sie singen von Licht und Dunkel,
von Freude und Hoffnung.
Auf der Straße geht ein Mensch vorbei,
der alles von außen hört: 

Wen loben sie und wofür?
Was versprechen sie und wie oft?
Was bereuen sie und wie ernst?
Wie ehrlich sind sie drinnen
zu denen draußen?
Was denken sie, was fühlen sie,
wenn sie singen und beten? 

Wie viele kommen verändert
aus der Kirche heraus?

M. Gutl

 

 

 

 

Weiterlesen …

Jesu Geburt überall

Johannes Linke

In der Kirche, im Pfarrgarten, bei mir zu Hause – Jesu Geburt überall

Wir bitten Ihnen die Möglichkeit, einen Tischgottesdienst auch zuhause zu feiern. Die nachfolgenden Texte mögen Ihnen ein wenig Orientierung und Hilfe bieten.

Insbesondere die Menschen, die zu Hause bleiben (müssen), aber auch alle anderen Christinnen und Christen sind dazu ganz herzlich eingeladen.

Weiterlesen …

3. Advent - 13.12.2020

Johannes Linke

Die Geschichte vom König mit den leeren Händen

In einer Gemeinde sollte ein Krippenspiel sein.
Wie jedes Jahr am Heiligen Abend, diesmal hatten junge Leute das Krippenspiel selber geschrieben, und sie hatten wirklich an alles gedacht.
Sogar an Ochs und Esel, ja, sogar an das Stroh.
Bei der Generalprobe, bei der angeblich generell alles schief gehen muss, ging tatsächlich allerhand ziemlich schief.
Kaum einer hatte seinen Text im Kopf, die Kulisse war noch kolossal unfertig, and was das Schlimmste war; Die drei Könige hatte man schlichtweg vergessen.
Aus unerfindlichen Gründen hatte man diese so wichtigen Rollen überhaupt nicht besetzt.
Da man sie aber irgendwie doch für unentbehrlich hielt, schlug jemand vor, in der Gemeinde herumzufragen, wer spontan bereit wäre, König zu sein.
Es müsse ja jetzt kein Text mehr auswendig gelernt werden, es würde genügen, wenn die drei ein Geschenk mitbrächten und das an der Krippe ablegten. Gesagt, getan.
Und so war es wieder einmal ganz plötzlich Weihnachten und der Heilige Abend stand auf dem Programm.
Die Kirche war voll, die Leute gespannt und die Schauspieler aufgeregt.
Das Krippenspiel begann, und es begann gut, es lief wunderbar niemand blieb hängen, und wenn doch mal einer ins Stottern kam, war es genau an der richtigen Stelle und hat zur Weihnachtsgeschichte wunderbar gepasst.
Und dann die letzte Szene: Auftritt der drei Könige, die last minute zu dieser Ehre gekommen waren. Ungeprobt sozusagen traten sie auf, ganz live, wie es eben ist im Leben. 

Der erste König war ein Mann, Mitte vierzig vielleicht, oder auch schon älter. Er hatte eine Krücke dabei, brauchte sie aber offenbar nicht. Alle schauten gespannt and spitzten die Ohren, als er die Krücke vor der Krippe ablegte and sagte: Ich hatte in diesem Jahr einen Autounfall. Ich lag lange im Krankenhaus. Niemand konnte mir sagen, ob ich je wieder laufen kann. Jeder kleine Fortschritt war für mich ein Geschenk, diese Zeit hat mein Leben verändert. Ich bin aufmerksamer und dankbarer geworden. Es gibt für mich nichts Kleines und Selbstverständliches mehr, aufstehen am Morgen, sitzen, gehen und stehen, dabei sein, alles ist wunderbar, alles ein Geschenk. Ich lege diese Krücke vor die Krippe als Zeichen für meinen Dank für den, der mich wieder auf die Beine gebracht hat!

Es war sehr still geworden in der Kirche, als der zweite König nach vorne trat. Der zweite König war eine Königin, Mutter von zwei Kindern. Sie sagte: Ich schenke dir etwas, was man nicht kaufen und nicht sehen und nicht einpacken kann und was mir heute doch das Wertvollste ist. Ich schenke dir mein Ja, mein Einverständnis zu meinem Leben, wie es geworden ist, so wie du es bis heute geführt hast, auch wenn ich zwischendurch oftmals nicht mehr glauben konnte, dass du wirklich einen Plan für mich hast.

Ich schenke dir mein Ja zu meinem Leben und allem, was dazugehört, meine Schwächen und Stärken, meine Ängste und meine Sehnsucht, die Menschen, die zu mir gehören, mein Ja zu meinem Zweifel auch und zu meinem Glauben.
Ich schenke dir mein Ja zu dir, Heiland der Welt!

Jetzt trat der dritte König vor. Ein junger Mann mit abenteuerlicher Frisur, top gekleidet, gut gestylt, sowie er sich auf jeder Party sehen lassen könnte, and alles hielt den Atem an, als er mit ziemlich lauter Stimme sagte: Ich bin der König mit den leeren Händen. Ich habe nichts zu bieten. In mir ist nichts als Unruhe und Angst. Ich sehe nur so aus, als ob ich das Leben leben kann, hinter der Fassade ist nichts, kein Selbstvertrauen, kein Sinn, keine Hoffnung.
Dafür aber viel Enttäuschung, viel Vergebliches, viele Verletzungen auch. Ich bin der König mit den leeren Händen.
Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Kind in der Krippe.
Meine Hände sind leer. Aber mein Herz ist voll, voller Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin hier und halte dir meine leeren Hände hin and bin gespannt, was du für mich bereitet hast.

Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königsauftritt zum guten Schluss stand jetzt eine merkwürdig bedrückende Sprachlosigkeit im Raum - bis Josef spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem jungen König in die leeren Hände gab und sagte: Das Kind in der Krippe ist der Strohhalm, an den du dich klammern kannst!
Weil alle spürten, dass so gesehen alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren trotz voller Taschen und Geschenke, konnte man die Betroffenheit mit Händen greifen. Und so kam es, dass am Ende alle Leute in der Kirche nach vorne zur Krippe gingen und sich einen Strohhalm nahmen.
Und da wurde auf einmal deutlich, dass es am Heiligen Abend ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung dafür, dass man etwas entgegennehmen, etwas bekommen kann.

 

Wann fängt Weihnachten an?

Wenn der Schwache
dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke
die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas
mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute
mit dem Stummen verweilt
und begreift,
was der Stumme ihm sagen will,
wenn das Leise - laut wird
und das Laute - still,
wenn das Bedeutungsvolle
bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige
wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkel
ein winziges Licht Geborgenheit,
helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht,
sondern du gehst,
so wie du bist
drauf zu,
dann
ja, dann
fängt Weihnachten an.
 

Den Mittelpunkt bilden die Weisen aus dem Morgenland, die sich wie die Hirten auf den Weg gemacht haben, um den Retter, dieses kleine Kind, in der Krippe zu finden.

Wir sehen Maria, die Patronin der Gemeinde ist, mit ihrem Kind. Der Taufstein und die Kerze im Kreuz vor der Kirche spannen den Bogen vom Beginn bis hin zum Ende des Lebens. Ambo und die Skulptur des Hörenden erinnern uns daran, dass die Botschaft des Evangeliums gehört und gelebt werden muss – passend zu den jeweiligen Zeiten. Die Kinder der Barbaraschule, die Bergleute unter Tage und die weiteren Bilder erinnern uns an den Bergbau, der das Leben in St. Marien über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.

Weiterlesen …

2. Advent - 06.12.2020

Johannes Linke

Nur ein Strohhalm

Die Hirten sind gekommen und dann wieder gegangen. Vielleicht haben Sie damals Geschenke mitgebracht, aber gegangen sind sie mit leeren Händen.

Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht ein Hirte, vielleicht ein ganz junger, etwas mitgenommen hat von der Krippe. Ganz fest in der Hand hatte er es gehalten. Die anderen haben erst nichts gemerkt. Bis auf einmal einer sagte: „Was hast du denn da in der Hand?“ „Einen Strohhalm“, sagte der, „einen Strohhalm aus der Krippe, in der das Kind gelegen hat.“
„Einen Strohhalm“, lachten die anderen, „das ist doch nur Abfall. Wirf das Zeug weg.“

Aber er schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er, „den behalte ich. Für mich ist er ein Zeichen, ein Zeichen für das Kind. Jedes Mal, wenn ich diesen Strohhalm in der Hand halten werde, dann werde ich mich an das Kind erinnern und daran, was die Engel von dem Kind gesagt haben.“
Und wie ist es mit dem Hirten weitergegangen damals?

Am nächsten Tag, da fragten die anderen Hirten ihn: „Hast du den Strohhalm immer noch? Ja? Mensch, wirf ihn weg, wertloses Zeug ist das doch.“

Er antwortete: „Nein, das ist nicht wertlos. Das Kind Gottes hat darauf gelegen.“

„Na, und?“ lachten die anderen, „das Kind ist wertvoll, doch nicht das Stroh.“

„Ihr habt Unrecht“, sagte der Hirte, „das Stroh ist schon wertvoll. Worauf hätte das Kind denn sonst liegen sollen, arm wie es ist? Nein, mir zeigt das, Gott braucht das Kleine, das Wertlose. Ja, Gott braucht uns, die Kleinen, die gar nicht viel können, nicht viel wert sind!“

Ja, der Strohhalm aus der Krippe, der war dem Hirten wichtig. Wieder und wieder nahm er ihn in die Hand, dachte an die Worte der Engel, freute sich darüber, dass Gott die Menschen so lieb hat, dass er klein wurde wie sie.

Eines Tages aber nahm einer der anderen Hirten ihm den Strohhalm weg und schrie wütend: „Du mit deinem Stroh! Du machst mich ganz verrückt damit!“ Und er zerknickte den Halm wieder und wieder und warf ihn zur Erde.

Der Hirte stand ganz ruhig auf, hob den Strohhalm auf, strich ihn wieder glatt und sagte zu dem anderen:

„Sieh doch - er ist geblieben, was er war: ein Strohhalm. Deine ganze Wut hat daran nichts ändern können. Sicher es ist leicht einen Strohhalm zu knicken. Und du denkst: Was ist schon ein Kind, wo wir einen starken Helfer brauchen.

Aber ich sage dir: Aus diesem Kind wird ein Mann, und der wird nicht totzukriegen sein. Er wird die Wut der Menschen aushalten, ertragen und bleiben, was er ist. Gottes Retter für uns.

Nein, Gottes Liebe ist nicht klein zu kriegen.“

(Helmut Siegel)

 

 

Advent heißt Warten

Nein, die Wahrheit ist

Dass der Advent nur laut and schrill ist

Ich glaube nicht

Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann

Dass ich den Weg nach innen finde

Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt

Es ist doch so

Dass die Zeit rast

Ich weigere mich zu glauben

Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint

Dass ich mit anderen Augen sehen kann

Es ist doch ganz klar

Dass Gott fehlt

Ich kann unmöglich glauben

Nichts wird sich verändern

Es wäre gelogen, würde ich sagen:

Gott kommt auf die Erde!

Und nun lesen Sie den Text von unten nach oben!

IRIS MACKE

 

 

Im Mittelpunkt stehen die Hirten, die sich mit ihren Tieren auf den Weg zur Krippe machen.

Dieser Mittelpunkt ist umgeben von Bildern um St. Ludgerus. Der Kirchturm als weithin sichtbares Zeichen für die Gemeinde von der Gründung der Pfarrei bis heute. Wir sehen den Namenspatron, den hl. Ludgerus, der mit Gänsen als Attribut dargestellt ist. Die Glocke ruft auch heute noch zum Gottesdienst. Der Taufstein erinnert an die vielen Kinder, die dort getauft wurden, und uns an unsere eigene Taufe. In der Turmkapelle versammeln sich weiter die Menschen zum Gottesdienst. Sie ist gestaltet mit Gegenständen aus der früheren Kirche. Doch entscheidend sind nicht die Gebäude, sondern die Menschen, die dazu beitragen, dass Kirche lebendig ist – wie die Kinder aus der Kita St. Ludgerus. Irgendwann werden sie diejenigen sein, die Kirche und Gemeinde prägen und tragen.

Weiterlesen …

1. Advent - 29.11.2020

Johannes Linke

Der Türgriff vom Stall

Die Hände vom Wirt kenne ich.
Er hat harte Hände, Hornhaut vom Zäunesetzen und all der Knochenarbeit.
An dem Abend, als es geschah, war er auch kurz da.
Ich hab es an seinem Griff gemerkt: Er ist es, und er will auch sehen, was passiert ist.
Eigentlich hat ja alles mit dieser kleinen Frauenhand angefangen.
Die war so kalt. Sie hat mich kurz angefasst - dann kam eine Männerhand dazu und half die Tür aufstoßen. Diese wärmere Männerhand hat mich festgehalten, - als die beiden in den Stall geguckt haben und seufzten.
Ich habe mich gefragt: Was wollen die hier?
Ich hab die Stimme vom Wirt gehört, aber der ist dann weggegangen. Der Mann hat gesagt: Naja, nun sind wir halt hier. Was Besseres finden wir um die Zeit nicht.
Sie hat immer nur geseufzt. Und ich habe mich schon gefragt, ob die immer so sind.
Er ist dann dauernd raus und rein, hat den Esel geholt, das Gepäck, eine Lunte fürs Licht und was zu essen. Seine Hände habe ich mir gemerkt - die konnten zugreifen. Sie nannte ihn Josef.

Und sie:
Sie hab ich auch nicht vergessen. Ihre Hand war so weich. Hat sich ganz zart um mich gelegt. Und war so kalt. Müde und doch irgendwie aufgeladen. Als hätte sie viel hinter, aber noch mehr vor sich.
Das sind so Ahnungen. Man weiß das als Türgriff nie genau. Man sieht ja nichts. Aber wenn man sich nicht auf seine Gefühle verließe, wo käme man hin ? Man wird halt von vielen angegriffen, und da lernt man die Unterschiede.
Als ich das Geschrei hörte, war mir klar, was sie mitgebracht hatte. Ich sage euch, das war besonders.
Ich habe schon gehört, wie die Kuh ihr Junges kriegt. Aber das hier, das war anders.
Ich sage euch, das war, als wenn alles still steht.
Sie hat gestöhnt und geschrien. Er hat auch gestöhnt und gezogen, ist rausgelaufen und wusste wohl nicht ob besser raus oder reingehen.
Und ich dachte an ihre Hand und wusste: Die hat Kraft.
Als er wieder reinkam, war's still.

Und er ist hin zu ihr und hat geweint und gelacht. Und es kamen überhaupt Geräusche zu mir, - die waren so schön, wie ich sie noch nicht gehört habe.
Schau mal, hat er gesagt. Immer nur das. Sie hat gar nichts gesagt.
Und dann kamen andere Hände. Klopfen an der Tür, starkes Klopfen. Das hat überhaupt noch nie einer getan: Anklopfen.
Ich weiß gar nicht, warum die alle kamen. Die müssen die drei Leute gekannt haben. Aber woher sie wussten, dass die hier sind - ich weiß es nicht. Aber als sie mich dann anfassten und die Tür aufmachten, da waren sie sich sicher, das merkte man.

Als sie reinkamen, wurde es ganz still. Es hat überhaupt niemand gesprochen. Sie haben was ausgepackt und hingestellt. Dann weiter Schweigen. Als wenn die Zeit steht.

Ehrfürchtig haben Sie mich angefasst, wie wenn man in ein Zimmer kommt, in dem noch keiner war. Schöne Hände hatten die drei. Ohne Narben. Schlossen sich um mich wie ein Siegel. Und kamen von weit her.
Dann war Lärm, Hundegeschrei und Getrappel. Tiefe Stimmen, Rufe und schüchterne Hände. Die gehen nicht rein, ohne dass man sie bittet, dachte ich. Und so war's auch. Fast jeder von ihnen fragte: Darf ich? Ich ging von Hand zu Hand, so zwanzigmal, fast ohne Unterbrechung. Feuchte, trockene und ruhige Hände.
Dann war ich allein.
Und wieder diese Ruhe.
Ich meine, die Tiere sagen ja auch nichts. Aber das war eine andere Art von Stillesein. Sowas hat's in dem Stall noch nie gegeben.
Wo man keine Fragen hat.

Sonst hat man doch immer Fragen:
Wer ist das?
Und:
Warum ich?
Und:
Was soll das?
Und:
Was soll werden ?

An dem Abend: Keine Fragen.

Nur Hände, die reinwollten und wussten: Hier sind wir richtig.

 

Was uns anvertraut ist

Nicht die großen Erdbeben,
nicht die Gewalt der Stürme,
nicht die Schrecken der Gewitter
wurden uns in die Hand gegeben.

Nicht einmal Sommer und Winter,
Ebbe und Flut,
Tag und Nacht
liegen in unserer Macht.

Nur was klein ist und zerbrechlich,
was aufruft zur Zärtlichkeit,
Behutsamkeit und Heilung
wurde uns anvertraut:
der Schlaf der Kinder,
die Sprachlosigkeit der Einsamen,
das Glatteis der Wagehälse,
der Zufluchtsort der Verirrten,
der Spielplatz der Liedermacher,
der Baum der Singvögel.

Was machtlos ist, wurde uns anvertraut.

Mag sein, dass Gott, Ewiger, Allmächtiger,
auch deswegen Kind geworden ist:
damit er sich uns anvertrauen kann.

Joop Roeland

 

Im Mittelpunkt sehen wir Maria, Josef und das Kind, für die in der Herberge kein Platz mehr war. Nun finden sie eine Unterkunft im Stall.

In den Bildern, die diese Szene umrahmen, sehen wir den alten Taufstein, der uns an die Jahrhunderte alte Geschichte unserer Pfarrei erinnert. Die alte Kirchturmuhr hat die Kriege überstanden und viele andere krisenhafte Zeiten bis heute hin. Die Gaben des Hl. Geistes rufen uns auf, unsere eigenen Begabungen einzubringen wie das z.B. die Kinder und Jugendlichen als Räppler tun. Gemeinde geschieht nicht nur im Gottesdienst, sondern überall dort, wo Menschen sich begegnen – ob im HdB oder während der Wanderexerzitien in Elkeringhausen.

Weiterlesen …