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„Heiliger Boden“ in St. Marien
In der Kirche St. Marien der Pfarrei St. Peter in Waltrop ist derzeit die Installation „Heiliger Boden“ der Münsteraner Künstlerin Ruth Blanke zu sehen.
Vor dem Altarraum stehen Damensandalen auf einer goldenen Fläche, leicht erhöht durch ein Podest. Ein roter Teppich führt auf das Blütenmeer zu. Weiße Papierblüten bedecken trapezförmig die Altarstufen. Teilweise mit rötlichem Papier gefüllt, erinnern sie an Pfingstrosen und verleihen dem Werk eine besondere Ausdruckskraft. Dieser gestalterische Akzent ist gegenüber früheren Installationen neu. Bereits gezeigt wurde die Installation in St. Laurentius in Warendorf, St. Ludgerus in Billerbeck sowie in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster.
Die Installation verweist auf die vielleicht am detailliertesten beschriebene Offenbarung Gottes im Alten Testament. Nachdem Mose aus Ägypten geflohen war, hatte er in Midian auf der Sinai-Halbinsel eine Familie gegründet. Bei der Arbeit in der nomadischen Viehzucht stieß er auf einen brennenden Dornbusch aus dem Gott zu ihm sprach. Da Gott in dem Gespräch dem Mose nicht nur den Auszug aus Ägypten befiehlt, sondern ihm auch seinen Namen offenbart, handelt es sich um ein Schlüsselereignis der gesamten biblischen Tradition. Gleich zu Beginn der Offenbarung fordert Gott den Mose auf: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. (Ex 3,5)
Ruth Blanke verweist mit ihrem Werk auch auf die Würde und Einzigartigkeit jedes Menschen. Der „heilige Boden“ steht dabei sinnbildlich für den innersten Bereich der Persönlichkeit – einen Raum, der Achtung, Sensibilität und behutsame Distanz erfordert. Mit ihrer Arbeit möchte die Künstlerin besonders zu einem respektvollen und achtsamen Umgang miteinander anregen.
Erstmals wurde die Installation in St. Marien, Waltrop, in der Heiligen Messe am siebten Sonntag der Osterzeit, dem 17. Mai 2026 vorgestellt. Pfarrer Dr. Carsten Roeger hob in seiner Predigt die Ehrfurcht vor dem Heiligen hervor und lud dazu ein, wie Mose, offen zu werden für Gottes Willen. Der Gottesdienst wurde musikalisch von der Gruppe „Saitenwind“ mit geistlichen Liedern aus den 70er-Jahren begleitet. Im Anschluss nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher bei Kaffee und Getränken die Gelegenheit zum Gespräch mit Ruth Blanke und zum Austausch untereinander.
Die Künstlerin hat nach einer dreijährigen Ausbildung bei Rolf Busch in Münster im internationalen Atelier von Séguret in Frankreich studiert und später auch in Schweden gewirkt. In ihren Bildern und Installationen beschäftigen sie besonders Themen wie Lebendigkeit, Vielfalt, Zukunft und Mut.
Die Installation ist bis Fronleichnam, dem 4. Juni 2026 in der Marienkirche Waltrop zu sehen. Besichtigungen sind freitags von 17 bis 19 Uhr vor der Abendmesse sowie sonntags ab 10 Uhr und nach dem 11-Uhr-Gottesdienst möglich. Termine außerhalb dieser Zeiten können vereinbart werden unter der Telefonnummer 02309 3280.
Stephan Klubertz, Pastoraler Mitarbeiter